Pathwaves: Berliner Musikproduktions-Workshop für weibliche und nicht binäre Musiker*innen  

25 November, 2020

Pathwaves ist eine Initiative, welche im Jahr 2019 gegründet wurde, um die Entwicklung weiblicher und nicht binärer Produzent*innen und Toningenieur*innen zu unterstützen. Jane Arnison, unsere Leiterin des Studiengangs Music Production hier am BIMM Institute Berlin hat Pathwaves ins Leben gerufen, nachdem ihr aufgefallen ist, dass etwas passieren muss, um mit dem Status Quo zu brechen.

Jane bemerkte, dass es schon einige Initiativen gab, die weibliche und nicht binäre Produzent*innen und Toningenieur*innen ermutigt haben, ihre Skills weiterzuentwickeln. Jedoch konzentrierte sich keine so richtig auf die professionelle Entwicklung. Nichts wurde versucht, um die tatsächliche Anzahl der Leute, die in der Branche tätig sind und Geld damit verdienen, zu verändern.

Wir haben uns mit Jane getroffen, um mehr über die Initiative herauszufinden, die Art und Weise, wie weibliche und nicht binäre Künstler*innen in der Musikproduktion, im Mixing und Mastering repräsentiert sind und über ihre Zukunftspläne zu sprechen.

Ein Interview mit Jane Arnison, Gründerin von Pathwaves

Wie bist du auf das Konzept von Pathwaves gekommen?

Das Konzept für Pathwaves entstand nachdem mir klar wurde, wie sehr ich mir mehr Unterstützung und Möglichkeiten gewünscht hätte. Ich habe dabei auch die Hindernisse mit in Betracht gezogen, die ich damals gespürt habe, als ich angefangen habe, meinen Weg als Toningenieurin und Produzentin zu gehen.

Meine Lösung war es, ein kuratiertes Event zu kreieren, um talentierte Musikschaffende fortzubilden und zu ermutigen, und gleichzeitig Netzwerke zu entwickeln, die Produzenten mit Kreativen und Unternehmen in der Musikindustrie zusammenzubringt. Diese Events helfen Leuten Content zu kreieren, um die Sicht auf talentierte Produzent*innen und Toningenieur*innen zu erhöhen, während eine Visibilität auf das Geschlechter-Ungleichgewicht aufmerksam macht. Ich kann das in drei Säulen zusammenfassen: Skills, Netzwerke und Visibilität.

Was glaubst du, wie sind weibliche und nicht binäre Personen im aktuellen Klima in der Musikproduktion, im Mixing und Mastering repräsentiert?

Um es genau zu sagen, sind wir schlecht repräsentiert. Die letzten Billboard-Zahlen zeigen, dass weibliche und nicht binäre Produzent*innen nur 2% des Ganzen ausmachen. Das bedeutet also, dass wir noch überhaupt gar nicht repräsentiert sind – und wenn, wird es als isolierter Sonderfall betrachtet.

Einer meiner wichtigsten Punkte ist, dass marginalisierte Menschen oft darüber reden, dass es einen Mangel an Möglichkeiten gibt, aber wenn dazu aufgefordert wird, andere marginalisierte Menschen zu unterstützen, folgen dann auf Worte auch wirklich Taten? Ich habe das Gefühl, dass der Fokus hier auf Männern liegt und die Tatsache, dass sie den meisten Platz in der Branche einnehmen – ich möchte aber die Konversation verschieben und sagen: „Hey, warum versuchen wir nicht, unsere eigenen Communities und Netzwerke zu bilden?“ Warum fangen wir nicht damit an, marginalisierte Menschen dazu zu ermutigen, mit anderen marginalisierten Menschen zusammenzuarbeiten, um die Dinge ein bisschen natürlicher zu verschieben.

Ich möchte aber auch sagen, dass ich getrennte Arbeitssituationen nicht befürworte!

Kannst du uns etwas über das Pathwaves-Programm erzählen?

Das Format besteht aus einem einwöchigen Camp, wo wir Toningenieur*innen mit Produzent*innen und Songwriter*innen zusammenbringen. Wir geben ihnen die Challenge, nicht nur einen Song zusammen zu schreiben, sondern auch professionell zu produzieren und zu einem Release-ready Standard zu mixen. Während dieser Woche haben wir außerdem Masterclasses und Workshops, um ihre Entwicklung weiterhin zu unterstützen.

Jeder Tag hat ein Thema oder Fokus: Recording, Produktion, Mixing. Wir haben außerdem Mentoren, die da sind, um die Gruppen durch herausfordernde Prozesse zu leiten und um sicherzugehen, dass sie mit einem hochqualitativen Ergebnis aus dem Programm herausgehen.

„Die letzte Woche hat mein Selbstbewusstsein so gesteigert, dass ich weiß, dass ich absolut im richtigen Bereich arbeite und dass ich die richtige Wahl getroffen habe, als ich meinen Beruf geändert habe, um meiner Leidenschaft zu folgen.

So viele tolle Leute kennenzulernen, die in dem Bereich arbeiten, mit anderen zusammen zu sein, und an Masterclasses und Workshops teilzunehmen, hat mir das Selbstbewusstsein gegeben, weiter zu machen, um meinen Weg zu finden. Ich bin super glücklich, begeistert und aufgeregt und unglaublich dankbar dafür.“

– Lane Hots, Pathwaves Teilnehmer*in

Wie sind die Workshops gelaufen? Was waren deine Highlights?

Die Workshops waren toll! Die ganze Woche war toll.

Wir hatten einige besondere Herausforderungen aufgrund von Covid, und das wirklich unglückliche Timing, dass der zweite Lockdown genau auf den Tag unseres Events gefallen ist. Die vernünftige Entscheidung wäre gewesen, es zu verschieben, aber wir hatten wirklich das Gefühl, dass es wichtig ist durchzuhalten und wir sind froh, dass wir das geschafft haben! Ich bin auch eine Expertin in Sachen Streaming geworden!

Ich glaube, dass das Event zeigt die nachhaltigen Connections, die während Pathwaves geformt wurden und die meisten unserer Teilnehmer*innen, wenn nicht sogar alle, arbeiten auch nach dem Event noch an Projekten zusammen. Genau darum geht es.

Was sind deine Lieblingsproduzent*innen momentan?

Einige meiner Lieblingsproduzent*innen und Toningenieur*innen sind Ebonie Smith, Marta Salogni, Catherine Marks, TraxGirl und Laurel Halo.

Wie siehst du die Zukunft von Pathwaves? Wird es diese Events regelmäßig geben?

Ich glaube, um eine systematische Veränderung zu sehen, muss es ein Commitment geben, in diese Dinge langfristig oder zumindest mittelfristig zu investieren. Ich bin persönlich engagiert, die Initiative weiterzuentwickeln. Das Interesse an Pathwaves war überwältigend! Wir wissen, dass wir auf etwas gestoßen sind, das gebraucht wird und das wirklich einen Wert hat.

Momentan veranstalten wir ein Camp pro Jahr in Berlin. Vor der Pandemie gab es Pläne, die Initiative auf Europa auszuweiten und vielleicht sogar in andere Teile der Welt und dich hoffe, dass das etwas ist, was in der Zukunft wieder aufgenommen werden kann.

Ich spiele auch mit der Idee, ein permanentes Studio in Berlin einzurichten, welches nach der legendären Women’s Audio Mission in den USA modelliert ist, und dass sich dem Training von weiblichen und nicht binären Produzente*innen und Toningenieur*innen widmet.

Woran arbeitest du derzeit noch?

Ich jongliere gerade einige Aufgaben. Ich finde, dass man die Chancen ergreifen sollte, wenn sie sich einem bieten. Neben meiner Verantwortung als Dozent*in bei BIMM, Pathwaves, meiner Arbeit als Product Specialist für Adam Audio und anderen Freelance- und Mentoring-Projekten, halte ich mich beschäftigt.

Aber, weil ich grundsätzlich kreativ bin, ist es mir wichtig weiter an Musik und Produktion zu arbeiten. Deswegen habe ich gerade vier offene Projekte laufen, an denen ich arbeite. Die meisten befinden sich gerade in der Mixing-Phase und ich freue mich darauf, einige Songs dieser Projekte in 2021 zu veröffentlichen!

Behind the Scenes beim Pathwaves Camp

BIMM Berlin Songwriting Student*in Anna Mohini hat an dem diesjährigen Event teilgenommen und ihre Highlights auf Instagram festgehalten. Schau sie dir im Highlights Reel an!

Wenn du Interesse daran hast, am BIMM Institute Berlin zu studieren, dann buche einen unserer Open Days. Alternativ kannst du auch unser Admissions Team unter +49 30  311 99 186 oder per E-Mail unter berlin@bimm-institute.de kontaktieren.

 

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