Tipps eines Branchenexperten: Jonathan Wyner von iZotope

7 May, 2021

Wir haben uns mit dem Grammy-nominierten, Mastering Engineer, Produzent, Author, Professor und iZotope’s Bildungsdirektor Jonathan Wyner, getroffen, um über die Kunst des Masterings zu sprechen und auf seine Masterclass am BIMM Institute Berlin und Hamburg zurückzublicken.

Während seiner Karriere hat Jonathan mit Künstler*innen wie David Bowie, Nirvana und Miles Davis zusammengearbeitet und wurde vor kurzem zum Präsidenten der Tontechniker Gesellschaft (Audio Engineering Society) ernannt.

Mit seinem unglaublichen Wissen und seinem Hintergrund als Dozent am Berklee College, ist er für eine exklusive Masterclass zu uns gekommen, um zu erklären, wie Audiotechnologie die Ästhetik der Musikproduktion und umgekehrt beeinflusst hat. Anhand von Beispielen einer Reihe von Technologien, erklärte er, wie wir in der Musikproduktion mit Technologie interagieren. Außerdem sprach er die Themen des maschinellen Lernens und künstliche Intelligenz an, wie neuronale Netze in iZotope’s Technologie miteinbezogen werden und welche Möglichkeiten uns dies in Zukunft ermöglicht. Daraufhin hat Jonathan Studierende ermutigt, einen Blick auf die Technologie und die Möglichkeiten, die sie bietet, zu werfen.

Wir konnten ihm ein paar Fragen nach seiner aufschlussreichen Masterclass stellen:

Was hat dich am Mastering fasziniert und was war der Grund, warum du dies als Karriere verfolgen wolltest?

Mastering ist eine Disziplin, die auf dem tiefen Hören basiert. Meine Zeit auf einer musikalischen Reise zu verbringen, ist eine meiner liebsten Beschäftigungen. Man ist dazu gezwungen, auf den generellen Einfluss einer Komposition in einer Aufnahme zu achten, ebenso wie auf die feinen Details in der Musik. Kurz, ich liebe die Arbeit. Darüber hinaus ist Mastering auch Teil eines Workflows, in welchem neue Technologien auftreten. Ob Single-Ended-Noise-Reduction-Systeme, angefangen bei SoundDroid und NoNoise bis hin zu iZotope RX, KI-gestützte Technologien wie Source Separation oder Immersive Audio – wir neigen dazu, an der Spitze (und manchmal auch an der “bleeding edge”) zu leben. Ich mag es, neue Dinge zu lernen und neue Wege zu finden, Audio-Magie zu erzeugen!

Was denkst du, sollte jemand, der eine Mastering-Karriere verfolgt, unbedingt wissen?

Zunächst einmal sollte er / sie alle Schritte des Recording-Arbeitsprozesses kennen. Um wirklich hilfreich zu sein, muss man verstehen, warum eine Aufnahme klingt, wie sie klingt und Empathie für die Weg haben. Du musst musikalische Arrangements und generelle Klangeigenschaften in einer Reihe von Genres verstehen. Du musst dich mit den feinen Details der Technologie beschäftigen, sodass du verstehst, wie du die besten Ergebnisse im Namen eines/einer Künstler*in ablieferst – und du musst sicher gehen, dass der Master auch richtig abspielt, wenn er veröffentlicht ist.

Was hast du in Bezug auf das Mastering erst spät in deiner Karriere erfahren, von dem du dir gewünscht hättest, du hättest es schon früher gewusst?

Interessante Frage. Wahrscheinlich, nicht so unsicher zu sein. Es hat viele Jahre der Praxis und des Kundenfeedbacks gebraucht, bevor ich das Gefühl hatte, ich habe ein solides Fundament in meiner Mastering-Arbeit. Ich wünschte, ich hätte gewusst, dass es Teil der Reise ist und dass ich durch Beharrlichkeit an einen Punkt gelangen würde, an welchem es sich mehr instinktiv anfühlen und ich meine eigene Kompetenz spüren würde. Es hat wiederholte Anerkennungen und nette Kommentare von Künstler*innen gebraucht, ich mich in meiner eigenen Haut wohl fühle. Das ist wahrscheinlich ein natürlicher Teil der Reise für jeden, der als Künstler*in anfängt und es ist Teil des Künstler*innenethos.

Du hast vor Kurzem eine neue Videoserie über das Thema Mastering gelauncht – was ist dein Ziel für die Serie und was möchtest du Menschen über die Kunst des Mastering mitgeben?

Mein Ziel ist es, Mastering zugänglicher und nachempfindbarer zu machen. Ich verstehe, dass es einfach ist, ohne jahrelange Erfahrung in der Disziplin, Mastering als eine Art schwarzen Kasten und einen mystischen Prozess zu sehen. Meine Erfahrung mit Studierenden ist, dass jeder der Mastering-Skills erlernt, mit einem besseren Hörverständnis, besseren Mixing-Skills und einem besseren Verständnis der Werkzeuge, die wir verwenden, aus der Sache herausgeht und sich ultimativ besser auf Mastering vorbereiten kann, wenn er oder sie mit anderen zusammenarbeitet. Es ist keine Überraschung, dass so viele Workshops und Talks „Mastering entzaubern“ genannt werden. Wir entscheiden uns für „Are you Listenting?“ – weil das schon alles aussagt!

Was denkst du, ist der größte Irrglaube, den Leute über das Mastering haben?

Oooch, nur einen? Der erste ist, dass Mastering alles LAUT und hell macht. Der zweite ist, dass es den Mix gut klingen lässt. Der dritte ist, dass Mastering Engineers perfekt sind.

Warum geht es bei der Kunst des Mastering um viel mehr als nur darum, den Track lauter zu machen?

Ich denke, du hast die Frage damit schon beantwortet. Ginge es nur darum, die Lautstärke zu erhöhen oder den Klang der Lautstärke zu ändern, dann könnte jedes automatisierte System die Arbeit erledigen. Im Kern geht es darum, eine musikalische/künstlerische Kreation zu interpretieren und zu versuchen, diese noch zu verbessern.

Hast du Tipps für Produzent*innen und Künstler*innen, die sich ein professionelles Mastering nicht leisten können? Welches sind ein paar simple Tipps, wenn sie ihre eigene Musik mastern möchten?

So viele – schau dir als Anfänger*in „Are you Listening?“ an. Versuche nicht, zu viel zu machen. Versuche nicht, deinen Mix im Mastering zu reparieren – mixe erneut, wenn es nötig ist. Frage deine Freund*innen nach Feedback.

Auf welche Art und Weise denkst du, wird Audiotechnologie die Musik verändern und andersherum?

Technologie entwickelt sich so schnell. Die Entwicklung von Programmen wie Differentiable DSP gibt uns die Möglichkeit, neue Klänge wie noch nie zuvor zu kreieren und Kreativität neu zu entschlüsseln. Wenn du eine Komponistin wie Holly Herndon hörst, die K.I. in ihre Arbeit einbaut, dann hörst du etwas Neues. Wir haben eine immer steigende diverse Art von Verteilungsmethoden, welches grundsätzliche Konformität bedeutet, wie Audio übermittelt wird. Source Separation bedeutet, wir können realistisch eine Aufnahme ändern, NACHDEM sie fertig ist. Also gibt es viele Implikationen und manchmal realisieren wir nicht, wie sie in der Ästhetik unseres Audios auftauchen bis eine kreative Person Gebrauch von der Technologie macht. Es gibt so viele historische Beispiele dieser Veränderung vom Tonband zu MIDI zu Zwischenspeicher zu K.I.

Worauf freust du dich in der Musik, der Branche, dem Mastering etc. am meisten in diesem Jahr?

Überrascht zu sein. Es gibt immer eine Grenze, die verschoben wird und darin resultiert, dass etwas Neues und Schönes kreiert wird. Ich freue mich darauf mit Künstler*innen zu arbeiten, die immer etwas Unerwartetes, Wundervolles und Herausforderndes mitbringen.

Ich freue mich auch sehr, an der Idee von Gleichheit und Zugänglichkeit in der Branche zu arbeiten. Bei iZotope arbeiten wir viel auf diesem Gebiet, aber ich habe auch Glück, dass ich in der Lage bin, hieran in meiner Arbeit als Präsident der AES zu arbeiten. Ich glaube, es ist wichtig für die Zukunft unserer Musik-Community.

Um einen tieferen Einblick ins Mastering zu geben, hat iZotope zusammen mit Jonathan eine Videoserie kreiert, die eine Step-By-Step-Anleitung für Mastering ist. Diese Serie ist ein Must-Watch für alle, die eine Karriere im Mastering beginnen wollen!

Interessierst du dich für Musiktechnologie und die Kunst des Mixing und Masterings? Dann solltest du auch einen Blick auf iZotope’s preisgekrönte Audio Software und Plug-Ins werfen, die von Experten aus einer Reihe von Bereichen in der Branche entwickelt wurden. Du möchtest iZotope’s Software selbst in deine Musikproduktion einbeziehen? Dann haben wir gute News für dich: Alle BIMM Deutschland Studierenden können einen 50% Rabatt auf alle iZotope Prdukte erhalten! Alles, was du tun musst, um den Rabatt zu erhalten, ist eine Email an norawarmedinger@bimm-institute.de zu schicken.

Genau wie das BIMM Institute Berlin ist auch iZotope im House of Music angesiedelt und wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit und Projekte mit iZotope!

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